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Das Sonnensystem wandert durch eine Materiewolke – die es eigentlich gar nicht geben dürfte!

Herausgegeben von in Materiewolke im Sonnensystem ·

Warum sie doch existiert, scheint jetzt geklärt zu sein. Doch auch die Erklärung verlangt bereits nach der nächsten Erklärung. Denn der ganzen Sache haftet auch weiterhin ein Mysterium an.

Auf ihrem Weg um das galaktische Zentrum schwebt unsere Sonne mit ihrem planetaren Gefolge schon seit geraumer Zeit durch eine interstellare Wolke, die es gleich mehrfach in sich hat. Das Gebilde erstreckt sich über einen Durchmesser von rund 30 Lichtjahren und besteht aus sehr spärlich verteilten Wasserstoff- und Heliumatomen. Das kosmische Gasgemisch erreicht dabei eine Temperatur von rund 6.000 Grad Celsius, das entspricht ziemlich genau der kochenden Glut der Sonnenoberfläche! Allerdings ist die Mixtur draußen im Weltraum so stark verdünnt, dass wir von der Hitze nichts spüren würden. Bekannt ist diese Wolke als »Local Fluff«, die »örtliche Flocke«.

Bis jetzt blieb rätselhaft, warum dieses galaktische Gebilde, durch das unser Sonnensystem derzeit streift, überhaupt existiert. Denn ganz in der Nähe kam es vor rund zehn Millionen Jahren zu einer gigantischen Weltraumkatastrophe. In jener prähistorischen Zeit detonierte ein ganzer Sternhaufen in kurzzeitig aufeinander folgenden Supernova-Explosionen. Es waren sehr massereiche Sterne von acht- bis hundertfacher Sonnenmasse, heiße Riesensterne sogenannter OB-Assoziationen. Ihr extrem starker Sternwind fegte die Umgebung zunächst von interstellarer Materie frei und erzeugte auf diese Weise eine »Superblase« geringer Dichte, in der die Riesen später dann mit unvorstellbarer Energie explodierten – in einer Sekunde wurde mehr Strahlung frei, als unsere Sonne in zehn Milliarden Jahren produziert. Noch heute umgibt eine mehrere Millionen Grad heiße Blase der multiplen Supernovae die Fluff-Wolke vollständig. Und das Geheimnisvolle daran? Nun, dass die Wolke eben diesen »Angriff von außen« überleben konnte! Ihre Dichte und ihre Temperatur reichen nicht aus, um die gigantischen auf sie wirkenden Kräfte abzufangen, sie hätte eigentlich längst zerdrückt und vollständig aufgelöst worden sein müssen.

Jetzt haben die Voyager-Raumsonden, die vor vielen Jahren die Riesenplaneten des Sonnensystems erforschten und grandiose Aufnahmen zur Erde funkten, immerhin einen Teil des Rätsels gelüftet. Mittlerweile sind die beiden künstlichen Späher über die Plutobahn hinaus und bewegen sich in den Übergangsbereich zum interstellaren Raum. Voyager 1 passierte im Dezember 2004 die Grenze zur äußersten Schale einer ausgedehnten magnetischen Blase unserer Sonne, die unser System unter anderem vor den Einflüssen der kosmischen Strahlung abschirmt. Diese Heliosphäre wird von den augenblicklichen Bedingungen der kosmischen Umgebung beeinflusst, in ihrer äußeren Grenzschicht wird der Sonnenwind vom interstellaren Medium bereits stark abgebremst, um dann schließlich in der Heliopause zum Erliegen zu kommen. Voyager 2 trat im August 2007 ebenfalls in diese Übergangszone ein, die auch des Rätsels Lösung für jene hartnäckige interstellare Wolke birgt.

Die Form der Heliosphäre ergibt sich aus einem Balanceakt. Von innen bläht sie der Sonnenwind auf, während die örtliche Wolke sie von außen zusammenpresst. Die Voyager-Messungen lieferten jetzt überhaupt erst direktere Angaben über die annähernde Größe der Heliosphäre und lassen daraus Rückschlüsse auf den Druck des Local Fluff zu. Ein Teil davon ist magnetischer Natur – und bei den neuen Analysen stellte sich heraus, dass diese lokale interstellare Wolke deutlich stärker magnetisiert ist, als die Fachleute bislang angenommen haben. Warum das so ist, muss wiederum erst noch geklärt werden. Aber die aktuellen Daten lassen bereits interessante Schlussfolgerungen zu. Denn wenn die lokale Wolke eine so erstaunlich starke Magnetisierung aufweist, dann könnten andere, umliegende Wolken unserer galaktischen Nachbarschaft durchaus noch stärkere Felder besitzen.
Sie wären in der Lage, die Heliosphäre kräftiger zu stauchen, als dies gegenwärtig der Fall ist. Auf lange Frist betrachtet, könnte dies einige Folgen für unsere Erde mit sich bringen. Denn eine geschwächte Heliosphäre führt zu einem Anstieg der kosmischen Strahlung im inneren Sonnensystem. Dies hätte unter anderem Auswirkungen auf das irdische Klima und auf verschiedene Raumfahrtaktivitäten. Doch eines steht fest: Bis dahin muss die Menschheit mit ganz anderen Problemen fertig werden, vor allem: mit sich selbst! Denn bis unser Sonnensystem von der einen in die nächste interstellare Wolke eintritt, vergehen noch viele tausend Jahre!




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